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"Durch die sehr gute Vorbereitung und Beratung durch Herrn Sonntag war das Zertifizierungsaudit schnell erledigt."

Christoph Heisterkamp, HKT GmbH

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Wie geht es weiter mit FSC Controlled Wood?

Datum: 18.10.2017

Side Event zu FSC Controlled Wood auf der FSC General Assembly 2017 in Vancouver

Ergebnisse der internationalen FSC Mitgliederversammlung in Vancouver

Das FSC Controlled Wood System ist Grundlage für FSC Mix Produkte, also den Großteil der auf dem Markt erhältlichen FSC-Produkte. Es regelt, wie Holz aus umstrittenen Quellen vermieden werden soll. Umweltverbänden ist es schon lange ein Dorn im Auge, war es doch zunächst als Übergangslösung geplant, besteht es nun seit über 10 Jahren. Es wird befürchtet, dass FSC Controlled Wood nicht hält, was es verspricht.

Was bisher geschah

2011 wurde von der internationalen FSC-Mitgliedschaft der Antrag beschlossen, das FSC Controlled Wood System zu verbessern (Motion 51). Stein des Anstoßes waren vor allem die firmeneigenen Risikobewertungen, die – auch in kritischen Ländern – häufig zu niedrigem Risiko kamen. Es wurde beschlossen, diese bis Ende 2014 vollständig durch vom FSC durchgeführte Nationale Risikobewertungen (NRA) zu ersetzen, die dann verbindlich anzuwenden wären. Nur wenigen nationalen FSC Büros war es aber möglich, diesen aufwendigen Prozess durchzuführen. Die Frist wurde daher verschoben und FSC International hat 2015 begonnen, unter Beauftragung von Dienstleistern zentrale Risikobewertungen (CNRA) durchzuführen. Im Dezember 2015 wurde der überarbeitete FSC Controlled Wood Standard (FSC-STD-40-005 V3) veröffentlicht, in dem die verschiedenen Arten von Risikobewertungen vorgestellt wurden. Nach vollständiger Implementierung dürfen Unternehmen nur noch Risikobewertungen verwenden, die vom FSC bereitgestellt werden. FSC arbeitet derzeit unter Hochdruck an Risikobewertungen für insgesamt 57 Länder. Bei benanntem Risiko sind Risikominderungsmaßnahmen durchzuführen. Die Beschaffungssituation ist für viele Zertifikatshalter derzeit unklar, weil die Ergebnisse noch nicht bekannt und viele der benannten Risiken schwer zu kontrollieren sind.

Die Controlled Wood Strategie

Parallel wurde die Kritik der Umweltverbände am Controlled Wood System lauter und teilweise eine Abschaffung gefordert (phase-out). Gleichzeitig verabschiedete der FSC das Ziel „20 by 2020“, was einen Marktanteil FSC-zertifizierter Produkte von 20% bis zum Jahre 2020 bedeutet. Bereits 2013 wurde beschlossen, dass es eine Strategie geben soll, wie mit Mix-Produkten langfristig umgegangen werden soll. Ein Workshop von FSC International im Frühjahr 2017 hat eher die stark kontroversen Haltungen aufgezeigt als Lösungen gebracht. Somit waren die gemeinsam getragenen Wunschergebnisse der Strategie eher oberflächlicher Natur:

  • Erhöhung der FSC-zertifizierten Waldfläche
  • Vermeidung inakzeptabler Praktiken in FSC-Produkten
  • Ermöglichung des Marktzugangs für Kleinwaldbesitzer
  • Kontinuierliche Verbesserung der forstwirtschaftlichen Praxis
  • Gemeinsames Verständnis unter den Interessensgruppen über die Zukunft des FSC-Systems

Auch das Side Event zur FSC Controlled Wood Strategie auf der Mitgliederversammlung in Vancouver brachte für viele Zuhörer wenig Neuigkeiten mit sich. Es war ein unspektakulärer Austausch von schon bekannten konträren Meinungen zwischen Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftsvertretern. Einig war man sich indes, dass es bald eine Lösung geben muss und der für Juni 2018 geplante nächste Workshop („Future Search for Controlled Wood“) gut vorbereitet werden soll.

Stand der Risikobewertungen und Implementierung

Beim zweiten Side Event auf der Mitgliederversammlung in Vancouver ging es um die Implementierung des revidierten FSC Controlled Wood Standards und den Stand der Risikobewertungen. Die Stimmung bei dieser Veranstaltung war erstaunlich ruhig in Anbetracht der Tatsache, dass erst geschätzte 12 % der relevanten Zertifikatshalter weltweit auf die neue Standardversion umgestellt haben, es – zumindest in Europa – massive Schwierigkeiten hinsichtlich der Einführung praxistauglicher Kontrollmaßnahmen zur Risikominderung gibt und bis Ende 2017 erst ca. 25 % der geplanten Risikobewertungen fertig sein werden. Die Risikobewertungen sollen aber bis Ende 2018 vollständig abgeschlossen sein und es wurden weitere Kapazitäten geschaffen, um die Implementierung des Standards zu unterstützen. An der Frist zur Umstellung auf die neue Standardversion bis 31.12.2017 wird weiterhin festgehalten.

Anträge zu FSC Controlled Wood

Im Vorfeld der Versammlung in Vancouver wurden aus der Mitgliedschaft vier Anträge zu Controlled Wood eingereicht, von denen zwei pro und zwei contra waren. Wären sie zur Abstimmung gekommen, hätte dies zu einer ausweglosen Situation führen können. Umso besser, dass es in den ersten Tagen gelang, die Anträge in einem Antrag zusammenzuführen, der von allen Kammern getragen und dann auch angenommen wurde (Motion 56). Vorschnelle Entscheidungen zu einer Abschaffung des Systems wurden somit verhindert. Beschluss ist nun, den revidierten FSC Controlled Wood Standard weiter zu implementieren und die Risikobewertungen fertigzustellen, was bis 01.01.2019 abschließend erfolgt sein soll. Zudem soll die Controlled Wood Strategie strukturiert und mit ausbalancierter Beteiligung aller Interessensgruppen weiterentwickelt werden. Auch alle Fragen zu einem möglichen Phase-out sollen im Rahmen der Strategie ausführlich erläutert werden. Als Informationsgrundlage für die weiteren Entscheidungen sollen Marktdaten ermittelt und bereitgestellt werden.

Fazit

Die Mitgliederversammlung in Vancouver hat zu einem vernünftigen Ergebnis geführt: Implementierung des revidierten Controlled Wood Systems, strukturierte datenbasierte Entwicklung einer Controlled Wood Strategie und keine vorschnellen Entscheidungen zu einem möglichen Phase-out. Es bleibt die Frage, wie die verzögerte und schwierige Implementierung der neuen Standardversion gelöst werden kann. Aber auch dazu wird es Antworten geben, denn einen Zusammenbruch des FSC-Marktes möchte niemand.

Autor: Ulf Sonntag

 

Dieser Beitrag wurde am 27.10.2017 im Holz-Zentralblatt veröffentlicht
(Wie geht es weiter mit FSC Controlled Wood?). 

 

 

 


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