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"Wir wurden sehr gut auf das FSC-Audit vorbereitet."

Jürgen Escher, ASS Einrichtungssysteme

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Einschätzungen zum revidierten FSC-COC-Standard

Datum: 13.01.2017

Zum Jahreswechsel hat der FSC den revidierten FSC Produktkettenstandard veröffentlicht (FSC-STD-40-004 V3-0). Er ist ab 1. April 2017 anwendbar. Nach einem Jahr Übergangszeit, also bis Ende März 2018, müssen alle Zertifikatshalter nach der neuen Version auditiert worden sein. Unternehmen mit regulärem Überwachungsaudit beispielsweise im Mai, müssen sich also schon bald um die Umstellung kümmern, oder das Audit in 2018 – sofern möglich – vorziehen. Wir haben den Standard gesichtet und möchten hier eine erste Einschätzung abgeben.

Reizthema OCP (vorerst) vom Tisch

Das wohl umstrittenste Thema bei der Revision war die Online Claims Plattform (OCP) bzw. die Frage, auf welche Weise FSC-Transaktionen zwischen zertifizierten Unternehmen kontrolliert werden können. Nach heftiger Kritik seitens vieler Zertifikatshalter ist die OCP nun nicht im revidierten Standard enthalten. Einzig wird gefordert, dass man zuarbeiten und Daten liefern muss, wenn der Zertifizierer und die Akkreditierungseinheit (ASI) Transaktionsprüfungen durchführen möchten. Dies war aber im Grunde schon immer so. Auch im angepassten Standard für die Zertifizierungsstellen wird zur Transaction Verification im Wesentlichen Kooperation mit ASI gefordert, ohne Nennung der OCP. Die erkannte Schwachstelle im COC-System ist aber noch nicht behoben und auch die OCP wird vom FSC weiterhin als eine der Maßnahmen zum Umgang mit Falschaussagen genannt. Für OCP-Kritiker ist es daher derzeit als Entwarnung auf Zeit zu sehen.  

Gravierende Änderungen zur Bildung von Produktgruppen

Die FSC-Kontrollsysteme (Transfer, Prozent- oder Guthabensystem) werden auf vom zertifizierten Unternehmen selbst definierte Produktgruppen angewendet. In einer Produktgruppe zusammengefasst werden dürfen nur ähnliche Produkte in Bezug auf Produktart, Ausbeutefaktoren und Materialzusammensetzung. Kapitel 7 des Standards gibt vor, was dies bedeutet und Anhang A des Standards enthält einige Beispiele. Zertifikatshalter müssen nun prüfen, ob die eigenen FSC-Produktgruppen gemäß der revidierten Standardversion noch konform sind. Bei auftrags- oder artikelbezogener Anwendung des Transfer Systems (physische Trennung) dürfte das in der Praxis wenig Auswirkungen haben, bei Anwendung von Vermischungssystemen kann es jedoch gravierenden Einfluss auf die Zertifizierbarkeit und die verfügbaren Mengen einzelner Produkte haben.

Marginale Änderungen bei Anwendung des Transfer Systems

Für mehr als 80 Prozent der Zertifikatshalter dürfte der revidierte Standard nur marginale Änderungen mit sich bringen. Unternehmen, die FSC-Material physisch getrennt halten, also nach dem Transfer System arbeiten, betrifft der revidierte Standard rein formell. Sie müssen nun – falls nicht ohnehin schon vorhanden – ein Beschwerdemanagement einrichten, was in der Praxis aber durch eine kurze Verfahrensbeschreibung erledigt sein sollte. Weitere Anpassungen sind kaum erforderlich, geringfügige Änderungen gab es beispielweise zum Thema Outsourcing. Generell sind wenig Vereinfachungen erkennbar, die Ermittlung der FSC Claims bei Verwendung von Materialien mit unterschiedlichen Zertifizierungsaussagen bleibt kompliziert. Wir empfehlen hier die Verwendung unseres praktischen Online-Tools unter www.claim-rechner.de. Der verkürzte Claim „FSC Mix“ bzw. „FSC Recycled“ ohne Prozent- oder Creditangabe ist für gelabelte Fertigprodukte zulässig.

Neue Regelungen zu den Vermischungssystemen

Für Zertifikatshalter, die das Prozent- oder das Guthabensystem (= Credit System) anwenden, gibt es einige Änderungen. Erstmals erlaubt ist die standortübergreifende Mengenbetrachtung. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es nun zulässig, an einem Standort generierte FSC-Guthaben virtuell auf einen anderen Standort (im selben Zertifikat) zu übertragen. FSC behält sich vor, diese Neuerung nach zwei Jahren zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern. Zertifikatshalter, die standortübergreifende Mengenbilanzierung anwenden, müssen am Monitoring-Verfahren des FSC teilnehmen.

Generierte FSC-Guthaben verfallen derzeit nach 12 Monaten, wenn sie in dieser Zeit nicht verbraucht wurden. Dieser Zeitraum wurde nun auf 24 Monate verlängert. Praxisfragen beispielsweise nach dem Zeitpunkt der Einbuchung des Materials in das Guthabenkonto werden von der revidierten Standardversion nicht beantwortet. Dies darf (hoffentlich) als Auslegungsspielraum interpretiert werden. Weitere Detailregelungen werden nur einzelne Unternehmen betreffen, haben dann aber möglicherweise gravierende Auswirkungen. So besagt eine neue Regelung, dass bei zusammengesetzten Produkten (wie z. B. Parkett) im Guthabensystem die qualitativ höherwertige Komponente (z. B. Deckschicht) nicht mehr als 30 Prozent des Produktes ausmachen darf, sofern dafür nur kontrolliertes Material (FSC Controlled Wood), nicht FSC-zertifiziertes Material eingesetzt wird.

Vereinfachte Anrechnung von Recyclingmaterial

Pre Consumer Fasern/Papier (Ausschuss aus sekundären oder nachgelagerten Produktionsprozessen) wurde bereits vor Ende des Revisionsprozesses als mengenmäßig anrechenbarer FSC-Materialeingang anerkannt. Viele Papierfabriken haben – teils mit unserer Unterstützung – bereits auf „FSC Recycled 100%“ umgestellt. Im revidierten Standard ist dies nun für Papier verankert und unter Anwendung des Transfer Systems möglich. Pre Consumer Holz kann nach wie vor in FSC-Produkte einfließen, ist aber nicht als FSC-Menge anrechenbar. Für einige Unternehmen kann es entscheidend sein, dass der Mindestanteil an anrechenbarem Material für die Nutzung des FSC Recycled Labels von 85 auf 70 Prozent gesenkt wurde.

Alle Regelungen in einem Dokument

Dem Revisionsziel Vereinfachung wurde insofern Rechnung getragen, als dass nun alle Anforderungen in einem Dokument, dem eigentlichen Standard, enthalten sind, es also keine zusätzlichen verbindlichen Anforderungen in Form von Advice Notes oder Interpretationen mehr gibt. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis diese wieder erforderlich werden. Schon bei der ersten Durchsicht fallen Unklarheiten auf.

Erforderliche Anpassungen

Neben inhaltlichen Änderungen hat der revidierte FSC-COC-Standard auch eine leicht veränderte Struktur. Dies führt dazu, dass sämtliche Referenzen angepasst werden müssen. Verfahrensanweisungen, in denen auf die Anforderungen (Kriterium im Standard) verwiesen wird, müssen zumindest dahingehend komplett überarbeitet werden.

Ulf Sonntag Consulting unterstützt Zertifikatshalter dabei, die Verfahren und Prozeduren an die revidierte Version des FSC Produktkettenstandards anzupassen. Dies sollte nicht vorschnell geschehen, da für die kommenden Wochen und Monaten weitere Klärung seitens des FSC erwartet wird. Aufgrund zeitweise einiger Wochen Vorlaufzeit sollte die Kontaktaufnahme aber rechtzeitig erfolgen.

Die mehr als 170 Teilnehmer unserer FSC-Zertifizierungsgruppe (www.zgd.de) müssen sich um die erforderlichen Anpassungen keine Gedanken machen, denn diese werden von der Gruppenleitung für alle Teilnehmer zentral umgesetzt.


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